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Vijay Iyer Sextet

Nov 8th 2018 @ Alte Feuerwache

Mannheim, Germany
Thursday, November 8th, 2018
8:00 PM
ECM JAZZNIGHTS: VIJAY IYER SEXTET & NIK BÄRTSCH’S RONINEnjoy JazzIm kommenden Jahr darf ein Plattenlabel seinen 50. Geburtstag feiern, welches in seiner Art einmalig in der Musikwelt dasteht: Die Edition of Contemporary Music, kurz ECM, 1969 von Manfred Eicher, Manfred Scheffner und Karl Egger in München gegründet, versteht sich bis heute als Heimat des Jazz.ber noch eine andere Institution des Jazz feiert ein Jubiläum, auch wenn es in diesem Fall nur das 20-jährige sein wird. In den JazzNights der Karsten Jahnke Konzertdirektion sind in den Jahren seit 1999 ausschließlich namhafte Künstler des Genres aufgetreten, ohne deshalb zu dessen Top Ten gehören zu müssen. Der Bogen spannt sich mittlerweile von Charlie Haden über Nils Landgren bis zu Youn Sun Nah und Gregory Porter. Es ist daher nur folgerichtig, dass im Herbst dieses Jahres die traditionsreichen JazzNights mit zwei ECM-Formationen besetzt wurden.Mit dem Vijay Iyer Sextet und Nik Bärtsch’s Ronin darf man sich auf ein spannendes Doppel freuen. Wie das bei ECM- Künstlern zum Glück üblich ist, reklamieren beide sehr eigenes und verschiedenes Terrain für sich.Nik Bärtsch wurde in Zürich, Vijay Iyer in New York geboren, das markiert geographisch in etwa den musikalischen Abstand. Doch der vermeintliche Provinzler gestaltet auf seinem jüngsten Album ›Awase‹ Stücke, die manchmal urbaner klingen als die seines Kollegen aus der amerikanischen Kultur-Metropole. ›Awase‹, ein Ausdruck aus der Kampfkunst, bedeutet so viel wie ›verschmelzen‹ oder ›harmonisieren‹, Energien aufeinander abstimmen – eine treffende Metapher für die aufgeweckte Präzision, die mosaikartigen Grooves und den graziösen Minimalismus von Nik Bärtsch’s Ronin. Sechs Jahre sind vergangen, seitdem die Schweizer ihr letztes Album veröffentlicht haben. Vom Quintett zum Quartett verkleinert und um den Bassisten Thomy Jordi erweitert, hat sich die Gruppe in dieser Zeit fast unmerklich gewandelt. Bärtsch selbst spricht von einer neu gefundenen Freiheit und Flexibilität im Umgang mit dem Material, von »größerer Transparenz, mehr Interaktion, mehr Freude bei jeder Performance«. Und hält auf ›Awase‹ mit ›Modul 58‹ ein Stück bereit, das mit einer fantastischen Bassfigur die ersten vier von schließlich gut 18 Minuten beginnt, sich aus der beinahen Taktlosigkeit in fulminante Rhythmik, in einen wahren Groove befreit und fast wie nebenbei wunderbar gläserne Melodien entwickelt. Bärtschs Piano dient dabei mitunter nur als Rhythmus-Instrument, übernimmt zusehends aber auch die eben nicht vorhandenen Gesangspartien. Zu seinem Ende hin gerät das Stück lustvoll aus dem Ruder und verliert sich gar in Funky Tunes. Welch eine Wonne!Vijay Iyers energiegeladenen ECM-Veröffentlichungen haben international viel Lob eingefahren. Und doch erreicht der Pianist und Komponist mit ›Far From Over‹, seinem fünften Album für das Label seit 2014, eingespielt im dynamischen Sextett, ein neues Level. Er treibt jene künstlerische Entwicklung weiter, die den englischen ›Guardian‹ dazu brachte, ihn »einen der weltweit einfallsreichsten Jazzpianisten der neuen Generation“ zu nennen. Das Magazin ›New Yorker‹ bezeichnete ihn als »extravagant begabt« und einen »glänzenden Eklektiker«. Far From Over präsentiert sein Sextett aus virtuosen Improvisatoren – mit den Bläsern Graham Haynes, Steve Lehman und Mark Shim und einem Rhythmusgespann aus Bassist Stephan Crump und Tyshawn Sorey. Dabei nutzt die Gruppe die Fülle der Jazzhistorie, um doch zur gleichen Zeit in die Zukunft zu blicken. Das Spektrum der Musik reicht von aufregend Explosivem bis zu Elegischem, wobei melodiöse Hooks, bezaubernde Atmosphäre, rhythmische Kraft und ein urwüchsiger Spirit zur Faszination des Ganzen beitragen. »Diese Gruppe hat eine Menge Feuer in sich, aber auch Erdiges, denn ihre Klänge, Timbres und Texturen haben eine solche Tiefe«, sagt Iyer. »Und es gibt auch Luft und Wasser. Diese Musik ist in Bewegung.«Die ersten ECM JazzNights dürften mit dem Vijay Iyer Sextet und Nik Bärtsch’s Ronin ziemlich genau die Erwartungen an solch spezielle Abende erfüllen. Es wird also dem Connaisseur geboten, wonach es ihm gelüstet und dem Neuling offeriert, was ihn im Handumdrehen zum Stammgast werden lassen kann. Vijay Iyer holt die Novizen dann an jener Stelle ab, bis zu der sie sich bislang getraut haben und rollt ihnen den roten Teppich in neue Klangwelten aus. Und was Nik Bärtsch mit Ronin intoniert, hat das Zeug zum Late Night Chill Out für all jene, die Techno und House inzwischen öde und ihrer Altersgruppe nicht länger entsprechend finden. Wer weiß denn schon, welche Nischen sich der Jazz in den nächsten Jahren noch erobern wird? Mit Bands wie diesen beiden stehen ziemlich viele Tore sperrangelweit offen.Besetzung Nik Bärtsch’s Ronin:Nik Bärtsch: PianoSha: Bassklarinette, AltsaxophonThomy Jordi: BassKaspar Rast: Schlagzeug