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Wednesday, November 1st, 2017
8:00 PM
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Voodoo Jürgens | Per Mund-Propaganda als `Next Best Thing`-Hype von und in Wien gestartet hat sich Voodoo Jürgens gleich mit seinem Debüt-Album von der einengenden, wenn nicht gar tödlichen Umarmung der `Checker` emanzipiert und ein substanzielles, ein wahrhaftiges und vor allen Dingen ein berührendes Erstlingswerk abgeliefert.Eines das auch in zehn Jahren noch großartig klingen wird, genauso wie es auch vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren schon großartig geklungen hätte. Die supercatchy Vorab-Single `Heite grob ma Tote aus` war gewiss ein verdienter Indie-Hit (sowohl Nummer Eins der FM4- als auch der Austrian Indie Charts), die lange Strecke hat aber mehr; mehr Anderes, mehr `Sein` als `Schein`, mehr poetischen Tiefgang; es zieht einem von der ersten Geschichte aus dem Fesch an in seinen Bann, baut sich einem lyrischen Malstrom gleich auf, bricht ab, fängt erneut an und lässt einen am Ende überwältigt zurück.Lieder wie `Tulln` werden sich tief in die österreichischen Pop-Annalen hineingraben, ohne martkschreierisch darum gebettelt zu haben; in besagtem Song werden ernüchternde Lebensstationen wie in einem Erlebnisaufsatz aufgezählt; am Ende muss man ob der ergreifenden Schönheit der sprachlichen Bilder und dem versöhnlichen Timbre des Voodoo heulen und es ist klar: das hier ist kein Sozial-Porno, keine `Milieustudie` oder gar Parodie. Das ist Lebenserfahrung gepaart mit Witz und Herz. Durchaus Storytelling, und somit einer alten Folk-Tradition verbunden, aber nie Geschwafel oder weinerliches Gejammer. Das ist näher dran am jungen Dylan als am leeren, sterilen Pathos-Pop, den vor allem deutsche Singer-Songwriter `an Tagen wie diesen` gern bemühen.Voodoo Jürgens singt in der Sprache in der er spricht, denkt, träumt und Dinge erlebt. Die Vorbilder für seinen Zugang zu Musik sind der erwähnte Dylan, Leonard Cohen, Tom Waits und durchaus auch krachigere, spätere Sachen wir The Libertines. Es sind aber auch die Beat-Poeten der Fünfziger. Gewiss: Respekt für Ambroß, Danzer, Hirsch ist vorhanden, genauso wie Freundschaften zu einigen Protagonisten des heutigen Wiener Pop-Wunders, und auch ein HC Artmann, ein Qualtinger, ein Kottan werden Spuren in Voodoo hinterlassen haben.Voodo Jürgens hat sich einen Fahrschein für jene Bim gekauft, die in die erste Liga österreichischen Pops fährt, ohne dabei Fendrich, Gabalier oder `tiafen Schmäh`-Pop im Sinn zu haben.`Er bringt das was als Neo-Wienerlied seit ein paar Jahren so gehypt wird, auf ein neues Level. Der Mann macht das so gut, so nachvollziehbar, so unterhaltend, so cool, witzig und ja man muss es sagen: echt, dass einem die Kinnlade offen stehen bleibt. Ein Wahnsinn, der Typ. Wenn das nicht ganz groß wird, fress ich einen Besen!` (Planet.tt)